Schmidtsommernacht.

Ach, ich liebe dieses Sommerloch. Diese angesagte Entspanntheit beim "Agenda-Setting". Diese Forciertheit der "Latent-Recherche". Dieses poetische Fabulieren im Sinne der "Rezipienten-Verarsche".

Von DWDL bis Spiegel-Online (Für Sie, lieber Leser natürlich SPON): Wir machen aus einem Furz einen Donnerschlag, aus der Mücke einen Elefanten. Und warum? Weil wir es können!

"Harald Schmidt könnte Nachfolger von Mathias Richling werden" und "Für Satire-Gipfel: Harald Schmidt soll Late Night aufgeben". Das sind die Schlagzeilen, die die so genannten Leitmedien im Juli von sich geben. Liest sich schön. Und offensichtlich lässt sich mit dem Liebling des Feuilleton noch immer Masse machen. Zumindest in besagten Schlagzeilen. In Keywords. In Tag-Clouds. Eben in der schönen, neuen Medienwelt. Das war es dann aber auch schon.

Schaut man informationslüsternd und nach seriöser Berichterstattung dürstend die Meldungen an, wird relativ schnell deutlich, dass es sich hier mitnichten um eine Nachricht, sondern vor allem um Geblubber handelt. Ein kleines Beispiel für den großen Offenbarungseid der Meinungselite.

Herr Schmidt weilt entweder in der Südsee oder kümmert sich um ein Projekt eines Provinztheaters, das er mit seiner Anwesenheit in kulturelle Höhen treiben kann. Möglicherweise, und im besten Fall, ergötzt er sich an einem Faksimile einer Fuge von Bach. Herr Boudgoust, seines Zeichens temporärer ARD-Vorsitzender (darüber und über den ÖR Rundfunk und die neue GEZ-Abgabe wird nach der Sommerpause ausführlich parliert) hat glücklicherweise nichts von sich gegeben. Ausschließlich ein "Vertreter des Senderverbundes" fühlt sich bemüßigt, das oben zitierte Sommerloch zu füllen. Mit einer "Idee", Schmidt könne doch den 'Satire-Gipfel' moderieren. Zugrunde liegt die Argumentationskette Jauch kommt - Tagesthemen bekommen festen Sendeplatz - Talks werden verrückt - Abstellgleis für Plasberg und Will - wohin mit der Satire? Bei aller Liebe - da könnte man, in aller Bescheidenheit, auch mich fragen. Mal abgesehen davon, dass die Aussagen gehaltvoller wären - eine Nachricht wäre das, zu Recht, nicht wert.

Nein, ich rege mich nicht mehr auf. Seit dem vergangenen Samstag in Duisburg, BP, der PR der Atom-Industrie, einigen eigenartigen Statements der ARGE zu Ein-Euro-Jobs und dem fulminanten Saison-Abschluss von Mutti innerhalb einer Woche rege ich mich nicht mehr auf. Auch nicht über die stümperhafte Reflexartigkeit unserer Leitmedien.

Aber -

Da geht noch was.

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