Palawa.

Es wurde geräumt. Viel geräumt. Von links nach rechts. Von rechts nach links. Und zwar Geld. Echtes Geld. Kohle, Bares, Cash. In dicken Bündeln. Das scheint sehr wichtig zu sein, schließlich wurde ununterbrochen und ermüdend darauf hingewiesen.

Jörg Pilawa ist aus seinem Jahresurlaub zurück. Bei einem neuen Sender (ZDF) und mit einer neuen Spiel-Show: „Rette die Million“. Die Wenigen, die vielleicht so etwas wie einen Neustart, eine Umorientierung oder sogar die Neuerfindung des smarten Moderators erwartet haben, wurden enttäuscht. Das muss in Sachen Pilawa nichts Schlechtes sein. Auch ich halte ihn nicht für einen moderierenden Überflieger, aber im Gegensatz zu vielen Kollegen finde ich seine biedere, freundliche Art durchaus angemessen und angenehm für Familienprogramme. Nur im Schatten des großen medialen Boheis und Palavers um Senderwechsel und inhaltliche Pläne wurde die Premiere beim neuen Arbeitgeber mit Neugierde erwartet.

„Rette die Million“ ist ein reines Quiz-Format, entwickelt von Endemol, kann aber mit einer charmanten Idee aufwarten: Die Kandidaten bekommen gleich zu Beginn der Spielrunde eine Million Euro in die Hand gedrückt (Bar, Cash, echtes Geld). Dieses Geld müssen sie vollständig auf vier Antworten zu einer Frage verteilen. Sind sie sich der Antwort sicher, wandert alles auf dieses Feld. Bei Unsicherheit sollte das Geld anteilig geschickt auf die weiteren Optionen verteilt werden. Der Einsatz auf dem richtigen Antwortfeld kann behalten werden, der Rest geht flöten. So ackern sich die Kandidatenpaare über acht Spielrunden. Bei der letzten Frage gibt es nur zwei Antwortmöglichkeiten und das gesamte noch vorrätige Geld muss auf ein Feld gesetzt werden. Also das Prinzip Rot oder Schwarz, Sekt oder Selters, alles oder nichts – und das lässt tatsächlich so etwas wie Spannung aufkommen.

Das Bühnen-Design ist in Rot und Blau gehalten, eine runde Arena mit vielen Leuchtflächen und einer Art Kommandobrücke in der Mitte, an der Pilawa und die Kandidaten stehen. Optisch also ein bisschen „Raumschiff Orion“ und ein bisschen „Wer wird Millionär“. Ersteres ist über 40, letzteres auch schon 12 Jahre alt. Dementsprechend altbacken ist das Erscheinungsbild trotz gewollt futuristischen Ansatzes. Und eng ist es. In Zusammenhang mit Umschnitten, Kameraroutinen und Splitscreens bekommt man beim Zuschauen etwas Atemnot. Das, was wohl etwas wie Intimität schaffen sollte, wirkt gedrungen und platzarm.

Ähnlich eng ist der Spielraum, der dem Moderator zur Verfügung steht. Kurze Plauderei mit den Kandidaten, Antworten vorlesen, Frage ablesen, mit Tipps zurückhalten (schließlich geht es um viel Geld, Bares, Cash), richtige Antwort geben – fertig. Gerade die Stärke Pilawas, die unverbindliche Plauderei kann nicht ausgespielt werden, wenn drum herum alles auf Spannung gezurrt ist. Das gilt auch für die Kandidaten, die fast wie Fremdkörper scheinen. Es wirkt schon eigenartig, wenn wummernde Bässe und ein dramatischer Klangteppich ein Höchstmaß an Spannung erzeugen wollen – aber Mutti plappert ständig mit überschnappender Stimme dazwischen.

„Rette die Million“ ist ein weiteres Quiz-Format, trotz neuem Ansatz nett und belanglos. Hier setzt meine einzige Kritik an. Nur weil der Moderator Pilawa heißt und viel Geld gekostet hat (Bares, Cash) gehört diese Show nicht in die Primetime. Das gibt sie nicht her. Reduziert auf 30 Minuten und in einen Vorabendslot geschoben könnte sie durchaus zum täglichen Begleiter werden.

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