Ein ehemals unanständiger Deutscher.
Als Journalist habe ich Michael Spreng immer unter handwerklichen Gesichtspunkten geschätzt, war ihm aber inhaltlich und methodisch mehr als entfernt - zeitweise war er ein, sportlich akzeptiertes, Feindbild. Ich bin aber objektiv und differenziert genug, sein nun etwa ein viertel Jahr bestehendes Blog durchaus als Bereicherung zu empfinden. Er hat eine Springer-Presse gestählte klare Sprache, bringt Dinge, im Gegensatz zu manchen politisch korrekten, und damit oft verquasten Aussagen oder einer neo-liberalen Rumschwurbelei, auf den Punkt. Außerdem sind seine intimen Kenntnisse unbestritten und können immerhin eine andere Farbe in das bunte Gemisch der Informationen bringen. An seinen Kommentaren und Bewertungen schätze ich mittlerweile gerade die stringente Aussage, die die politischen Themen dahin zurückholt, wo sie hingehören - zu den Menschen. Letztlich kochen auch und gerade unsere Volksvertreter auch nur mit Wasser. Und unsere Eliten, Meinungsmacher oder Prominenten sind in der Regel nicht außergewöhnlicher, als der halbwegs gebildete und informierte “gesunde Menschenverstand”. In diesem Zusammenhang schätze ich - und diesen Satz hätte ich mir vor 10 Jahren nicht zugetraut - die klaren, aufgeräumten Kommentare Michael Sprengs.
Vor diesem Hintergrund habe ich bei Sprengsatz einen Kommentar gepostet, der sich im Zusammenhang auch für die Notizen eignet.
"Zum Zustand der SPD sind alle, im besten Sinne, bemühten Analysen und Bewertungen meiner Ansicht nach obsolet. Gehen sie doch von einer grundsätzlichen Relevanz dieser Partei aus. Hier liegt der Hase im Pfeffer.
Als Jahrgang '68 bin ich als SPD-Anhänger sozialisiert worden. Bis in die 90er Jahre war die Partei immer eine Partei der Arbeiter und der sozial orientierten Mittelschicht. Und hatte damit ihre historisch gewachsene Berechtigung. Diese grundlegenden historischen Strukturen existieren aber seit mindestens 10 Jahren nicht mehr. Die "linken" oder besser "nicht konservativen" Milleus haben sich "dank" der 68er-Bewegung und dem propagierten alleinseeligmachenden Pluralismus weiter diffenziert und sind in kleinen Parteien und Splittergruppen oder gar in individuell positionierten Haltungen aufgegangen. Schaut man sich heute die gesellschaftliche Verteilung "linker" Sympathisanten an, würden sie immer noch eine Mehrheit in der gesellschaftlichen Gesamtheit bilden, ordnen sich aber im "pluralistischen" Sinn unterschiedlichsten Strömungen zu. Das "konservativ-bürgerliche" Lager schafft es dagegen weiterhin, seine Klientel unter einen Hut zu bringen. Weniger verquast: Die historisch so wichtige SPD hat gegenwärtig keine Existenzberechtigung mehr. So deutlich muss das gesagt werden. Und vor allem sollte das von den führenden Parteiverantwortlichen auch verstanden werden. Der Wähler, die Bevölkerung, die Menschen - wie auch immer - haben dafür ein, möglicherweise unreflektiertes, aber stimmiges Gefühl. Und niemand in der Partei erkennt das oder nennt es beim Namen. Noch wahrscheinlicher ist aber meine These der funktionellen Struktur. In der SPD, wie in allen anderen Parteien, herrscht ein immanentes Machtstreben einzelner Personen vor, das eine visionäre und damit grundsätzliche Umorientierung ausschließt. Diese wäre aber dringend nötig, um einer linken, sozialen Partei eine neue Berechtigung zu geben.
Im tagesaktuellen, gleichgeschalteten Kampf von Positionen, Haltungen und Richtungen ist für die gute, alte Tante SPD zum gegenwärtigen Zeitpunkt einfach kein Platz mehr. Das zu erkennen, erfordert außerordentliche Selbstreflexion, historischen Verstand, Selbstlosigkeit und vor allem Weitsichtigkeit. Erst mit diesen Eigenschaften kann sich mittelfristig eine neue Volkspartei links der "merkelschen" Gemütlichkeit etablieren. Die SPD in ihrer jetzigen Form hat sich überlebt. Basta."
Als immer noch politisch interessierter und allgemein engagierter Mensch, unterstütze ich Bestrebungen, so genannte "Enthaltungen" bei Landtags- und Bundestagswahlen zu installieren. Also eine Wahrnehmung der "staatsbürgerlichen Pflichten" ohne konkrete Zuordnung einer zugelassenen Partei. Aber mit statistischer Wertigkeit in Bezug auf die tatsächliche Stimmen- und damit Sitzverteilung. Dieses würde meiner Ansicht nach die Wahlbeteiligung erhöhen und der allgemeinen, undefinierten "Politikverdrossenheit" entgegenwirken.
Vor diesem Hintergrund habe ich bei Sprengsatz einen Kommentar gepostet, der sich im Zusammenhang auch für die Notizen eignet.
"Zum Zustand der SPD sind alle, im besten Sinne, bemühten Analysen und Bewertungen meiner Ansicht nach obsolet. Gehen sie doch von einer grundsätzlichen Relevanz dieser Partei aus. Hier liegt der Hase im Pfeffer.
Als Jahrgang '68 bin ich als SPD-Anhänger sozialisiert worden. Bis in die 90er Jahre war die Partei immer eine Partei der Arbeiter und der sozial orientierten Mittelschicht. Und hatte damit ihre historisch gewachsene Berechtigung. Diese grundlegenden historischen Strukturen existieren aber seit mindestens 10 Jahren nicht mehr. Die "linken" oder besser "nicht konservativen" Milleus haben sich "dank" der 68er-Bewegung und dem propagierten alleinseeligmachenden Pluralismus weiter diffenziert und sind in kleinen Parteien und Splittergruppen oder gar in individuell positionierten Haltungen aufgegangen. Schaut man sich heute die gesellschaftliche Verteilung "linker" Sympathisanten an, würden sie immer noch eine Mehrheit in der gesellschaftlichen Gesamtheit bilden, ordnen sich aber im "pluralistischen" Sinn unterschiedlichsten Strömungen zu. Das "konservativ-bürgerliche" Lager schafft es dagegen weiterhin, seine Klientel unter einen Hut zu bringen. Weniger verquast: Die historisch so wichtige SPD hat gegenwärtig keine Existenzberechtigung mehr. So deutlich muss das gesagt werden. Und vor allem sollte das von den führenden Parteiverantwortlichen auch verstanden werden. Der Wähler, die Bevölkerung, die Menschen - wie auch immer - haben dafür ein, möglicherweise unreflektiertes, aber stimmiges Gefühl. Und niemand in der Partei erkennt das oder nennt es beim Namen. Noch wahrscheinlicher ist aber meine These der funktionellen Struktur. In der SPD, wie in allen anderen Parteien, herrscht ein immanentes Machtstreben einzelner Personen vor, das eine visionäre und damit grundsätzliche Umorientierung ausschließt. Diese wäre aber dringend nötig, um einer linken, sozialen Partei eine neue Berechtigung zu geben.
Im tagesaktuellen, gleichgeschalteten Kampf von Positionen, Haltungen und Richtungen ist für die gute, alte Tante SPD zum gegenwärtigen Zeitpunkt einfach kein Platz mehr. Das zu erkennen, erfordert außerordentliche Selbstreflexion, historischen Verstand, Selbstlosigkeit und vor allem Weitsichtigkeit. Erst mit diesen Eigenschaften kann sich mittelfristig eine neue Volkspartei links der "merkelschen" Gemütlichkeit etablieren. Die SPD in ihrer jetzigen Form hat sich überlebt. Basta."
Als immer noch politisch interessierter und allgemein engagierter Mensch, unterstütze ich Bestrebungen, so genannte "Enthaltungen" bei Landtags- und Bundestagswahlen zu installieren. Also eine Wahrnehmung der "staatsbürgerlichen Pflichten" ohne konkrete Zuordnung einer zugelassenen Partei. Aber mit statistischer Wertigkeit in Bezug auf die tatsächliche Stimmen- und damit Sitzverteilung. Dieses würde meiner Ansicht nach die Wahlbeteiligung erhöhen und der allgemeinen, undefinierten "Politikverdrossenheit" entgegenwirken.
Clooney - 13. Jun, 03:51

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