Das Schiff singt.
Wie man ein viel versprechendes Konzept und einen gut gemeinten Ansatz im Sinne des unternehmerischen Gedankens und des gesellschaftlichen Mainstreams so richtig gegen die Wand fährt, zeigt heute ‚Voice of Germany’. Hoch gelobt ob seines musikalischen Ansatzes und der sachlichen Umgangsformen, fällt das Format mit seiner siebten Folge in die Untiefen der zeitgenössischen Unterhaltungskultur. Ein Abrutschen in die seit Jahren etablierten Sehgewohnheiten waren schon in den vergangen Folgen sichtbar. Emotionalisierende Side-Storys, irritierende Audience-Zwischenschnitte und künstliche Dramatisierung abseits des reinen Gesangs, der reinen Performance wurden schon etabliert. Nun werden die so genannten ‚Battles’ inszeniert – und verraten damit jeden Glauben an die Musik. Denn Musik ist immanent kein Gegenstand von Kampf, Sieg und ‚höher, schneller, weiter’-Denken. Mit aber genau diesem Ansatz katapultiert sich das Format in die unappetitlichen Tiefen des unreflektierten Leistungsgedanken einer von Neo-Liberalismus durchsetzten Gesellschaft, in der es im obigen Sinne nicht lohnenswert ist, gemeinsam zu musizieren, sondern sich als ‚Star’ und kommerziell erfolgreiches Produkt zu platzieren. Wie perfide ist die Idee der für die Konzeption verantwortlichen Produktion EnDeMol, jeweils zwei hervorragende Sänger gegeneinander antreten und einen von beiden ausscheiden zu lassen? Ohne eine wirkliche Vergleichsmöglichkeit, ohne das Verständnis für individuelle Ausdruckskraft.
Umso nervender die sich in Superlativen und Phrasen ergehenden Kommentare der Juroren. Und wie entlarvend. Denn das ganze schöne Geschwätz von Ausdruckskraft, Persönlichkeit und Leidenschaft einer nöhlenden Nena oder eines schmierigen Xavier Naidoos entpuppt sich als Gelaber eben nicht Musik liebender, sondern selbstverliebter Karrieresänger.
Neben diesen, zugegebenermaßen sehr kulturkritischen Aspekten, begeht EnDeMol aber auch einen taktischen Fehler im TV-Geschäft. Sie binden nämlich den Zuschauer nicht durch Polarisierung der Emotionen, sondern lassen ihn im besten Fall ob der Ungerechtigkeit der Entscheidung verstört zurück. Ein schmuckes, neues Casting-Show-Format entpuppt sich als des Kaisers neue Kleider.
Umso nervender die sich in Superlativen und Phrasen ergehenden Kommentare der Juroren. Und wie entlarvend. Denn das ganze schöne Geschwätz von Ausdruckskraft, Persönlichkeit und Leidenschaft einer nöhlenden Nena oder eines schmierigen Xavier Naidoos entpuppt sich als Gelaber eben nicht Musik liebender, sondern selbstverliebter Karrieresänger.
Neben diesen, zugegebenermaßen sehr kulturkritischen Aspekten, begeht EnDeMol aber auch einen taktischen Fehler im TV-Geschäft. Sie binden nämlich den Zuschauer nicht durch Polarisierung der Emotionen, sondern lassen ihn im besten Fall ob der Ungerechtigkeit der Entscheidung verstört zurück. Ein schmuckes, neues Casting-Show-Format entpuppt sich als des Kaisers neue Kleider.
Clooney - 16. Dez, 01:38
