Steffen seibert for nothing.
... and the Chicks for free – möchte man, einen alten Dire Straits-Song zitierend, anmerken. Das mit den Chicks soll Vermutung und Sache von Steffen Seibert bleiben. Seine Tätigkeit als Regierungssprecher, die er nächste Woche aufnimmt, soll aber öffentlich diskutiert werden.
Formal mag der ganze Vorgang richtig und stimmig sein. Und historisch übrigens auch kein Novum. Friedhelm Ost (ZDF), Bela Anda (BILD), Peter Boenisch (BILD), Uwe Karsten Heye (SZ) – man könnte die Liste noch erweitern. Aber derlei gilt nicht bloß als Jobwechsel, sondern als endgültige Aufgabe eines Berufswegs. In der Tat gibt es kaum Journalisten in Deutschland, die Pressesprecher wurden und später noch einmal den Weg zurück in den Journalismus fanden.
Das Grundproblem bleibt also bestehen: Mit Steffen Seibert wird ein Premium-Gesicht eines öffentlich-rechtlichen Senders (ZDF) Regierungssprecher einer konservativ-liberalen Koalition. Seibert hat sich zu einer medial herausragenden Person empor gearbeitet. Immer im selben Haus. Vom Volontär über den Auslandskorrespondenten bis zum Anchorman. Als Journalist, der Nachrichten präzise und verständlich präsentiert, der ohne Schnickschnack, ohne bemühte Witzigkeit und Welterklärgestus die Sachverhalte darstellt. Der Mann vom Zweiten in der ersten Reihe.
Dieser Mann lässt nun verlautbaren: Er habe eine persönliche Entscheidung getroffen und nehme die Aufgabe „gerne an, weil ich überzeugt bin, dass die Bundesregierung unter Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel die richtigen Schwerpunkte setzt, um unserem Land in diesen schwierigen Jahren eine gute Zukunft zu sichern“.
Applaus und Respekt für eine klare Haltung. Die Haustür zu seinem Job als Journalist hat sich Seibert damit aber wohl zugeschlagen.
Interessanterweise hat sich Steffen Seibert bei seinem eher vertikalen Karrieresprung aber eine Hintertür offen gehalten. Fast ein Scheunentor. Hat er doch laut FOCUS und nach bestätigten Angaben seines bisherigen Arbeitgebers eine Option auf Rückkehr zu dem Sender. Das mag angesichts der jüngst veröffentlichten Umfragewerte zur Schwarz-gelben Koalition klug sein. Regierungs-PR ist ein Saisongeschäft. Vor allem aber ist es erstaunlich, in welch komfortablen Umfeld sich einige ‚Big Shots’ immer noch bewegen können. Außer Lehrern, Top-Managern und Fernsehköchen fallen mir nur wenige Berufsgruppen ein, die so geschmeidig Neues ausprobieren können, ohne dabei ein hohes berufliches und existenzielles Risiko einzugehen. Man stelle sich nur die ALDI-Kassiererin vor, die vielleicht gerne einen Hunde-Salon eröffnen möchte, bei Erfolglosigkeit aber eine Garantie auf ihren Scannerposten in Recklinghausen-Süd hat.
Außerdem ist im Fall Seibert natürlich die Konstellation des Jobhoppings besonders bemerkenswert: Ein Journalist, der mit aller nötigen Objektivität und handwerklichen Distanz das tagesaktuelle Nachrichtengeschehen präsentiert, analysiert und bewertet macht sich gemein mit einer parteipolitischen Ausrichtung und den damit verbundenen gesellschaftlichen Werten. Wie soll so jemand jemals wieder seine ursprüngliche Tätigkeit aufnehmen? Eine Rückkehr zu ‚heute’ oder dem ‚heute-journal’ müsste ausgeschlossen sein, wenn sich das ZDF nicht erneut einer schmerzhaften Diskussion zum Thema „Politische Einflussnahme in redaktionelle Vorgänge“ aussetzen und damit seine journalistische Relevanz aufgeben möchte.
Hoffnung gibt die Äußerung des neuen Chefredakteurs des ZDF, Peter Frey: „Wir bedauern, dass Steffen Seibert seine Perspektive nicht im Journalismus gesehen hat“.
Aber wer weiß: Vielleicht öffnet Herr Seibert ja im Falle eines Falles demnächst die Parkplatzschranke auf dem Lerchenberg.
Formal mag der ganze Vorgang richtig und stimmig sein. Und historisch übrigens auch kein Novum. Friedhelm Ost (ZDF), Bela Anda (BILD), Peter Boenisch (BILD), Uwe Karsten Heye (SZ) – man könnte die Liste noch erweitern. Aber derlei gilt nicht bloß als Jobwechsel, sondern als endgültige Aufgabe eines Berufswegs. In der Tat gibt es kaum Journalisten in Deutschland, die Pressesprecher wurden und später noch einmal den Weg zurück in den Journalismus fanden.
Das Grundproblem bleibt also bestehen: Mit Steffen Seibert wird ein Premium-Gesicht eines öffentlich-rechtlichen Senders (ZDF) Regierungssprecher einer konservativ-liberalen Koalition. Seibert hat sich zu einer medial herausragenden Person empor gearbeitet. Immer im selben Haus. Vom Volontär über den Auslandskorrespondenten bis zum Anchorman. Als Journalist, der Nachrichten präzise und verständlich präsentiert, der ohne Schnickschnack, ohne bemühte Witzigkeit und Welterklärgestus die Sachverhalte darstellt. Der Mann vom Zweiten in der ersten Reihe.
Dieser Mann lässt nun verlautbaren: Er habe eine persönliche Entscheidung getroffen und nehme die Aufgabe „gerne an, weil ich überzeugt bin, dass die Bundesregierung unter Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel die richtigen Schwerpunkte setzt, um unserem Land in diesen schwierigen Jahren eine gute Zukunft zu sichern“.
Applaus und Respekt für eine klare Haltung. Die Haustür zu seinem Job als Journalist hat sich Seibert damit aber wohl zugeschlagen.
Interessanterweise hat sich Steffen Seibert bei seinem eher vertikalen Karrieresprung aber eine Hintertür offen gehalten. Fast ein Scheunentor. Hat er doch laut FOCUS und nach bestätigten Angaben seines bisherigen Arbeitgebers eine Option auf Rückkehr zu dem Sender. Das mag angesichts der jüngst veröffentlichten Umfragewerte zur Schwarz-gelben Koalition klug sein. Regierungs-PR ist ein Saisongeschäft. Vor allem aber ist es erstaunlich, in welch komfortablen Umfeld sich einige ‚Big Shots’ immer noch bewegen können. Außer Lehrern, Top-Managern und Fernsehköchen fallen mir nur wenige Berufsgruppen ein, die so geschmeidig Neues ausprobieren können, ohne dabei ein hohes berufliches und existenzielles Risiko einzugehen. Man stelle sich nur die ALDI-Kassiererin vor, die vielleicht gerne einen Hunde-Salon eröffnen möchte, bei Erfolglosigkeit aber eine Garantie auf ihren Scannerposten in Recklinghausen-Süd hat.
Außerdem ist im Fall Seibert natürlich die Konstellation des Jobhoppings besonders bemerkenswert: Ein Journalist, der mit aller nötigen Objektivität und handwerklichen Distanz das tagesaktuelle Nachrichtengeschehen präsentiert, analysiert und bewertet macht sich gemein mit einer parteipolitischen Ausrichtung und den damit verbundenen gesellschaftlichen Werten. Wie soll so jemand jemals wieder seine ursprüngliche Tätigkeit aufnehmen? Eine Rückkehr zu ‚heute’ oder dem ‚heute-journal’ müsste ausgeschlossen sein, wenn sich das ZDF nicht erneut einer schmerzhaften Diskussion zum Thema „Politische Einflussnahme in redaktionelle Vorgänge“ aussetzen und damit seine journalistische Relevanz aufgeben möchte.
Hoffnung gibt die Äußerung des neuen Chefredakteurs des ZDF, Peter Frey: „Wir bedauern, dass Steffen Seibert seine Perspektive nicht im Journalismus gesehen hat“.
Aber wer weiß: Vielleicht öffnet Herr Seibert ja im Falle eines Falles demnächst die Parkplatzschranke auf dem Lerchenberg.
Clooney - 8. Aug, 01:21
